Was ist eine De-facto-Vergabe?
Eine De-facto-Vergabe bezeichnet insbesondere den Abschluss eines öffentlichen Auftrags ohne die erforderliche vorherige EU-Bekanntmachung, obwohl keine gesetzliche Ausnahme vorliegt. Nicht jede Direktbeauftragung ist unzulässig: Zunächst sind der Anwendungsbereich des Vergaberechts und mögliche Ausnahmevorschriften zu prüfen.
Unwirksamkeit nach § 135 GWB
Ein ohne zulässige Ausnahme nicht bekannt gemachter Auftrag kann nach § 135 Absatz 1 Nummer 2 GWB von Anfang an unwirksam sein, wenn der Verstoß im Nachprüfungsverfahren festgestellt wird. Eine bloße Beanstandung durch einen Wettbewerber hebt den Vertrag nicht auf. § 135 Absatz 4 GWB erlaubt in eng begrenzten Fällen zwingenden Allgemeininteresses alternative Sanktionen anstelle der anfänglichen Unwirksamkeit.
Kurze Ausschlussfristen
Die Unwirksamkeit muss grundsätzlich binnen 30 Kalendertagen nach einer ordnungsgemäßen Information über den Vertragsschluss, spätestens jedoch sechs Monate nach Vertragsschluss geltend gemacht werden. Eine ordnungsgemäße EU-Bekanntmachung der Auftragsvergabe kann eine eigene 30-Tage-Frist auslösen. Welche Frist läuft, hängt von Inhalt und Zeitpunkt der Information oder Bekanntmachung ab.
Eine freiwillige Ex-ante-Transparenzbekanntmachung kann unter den Voraussetzungen des § 135 Absatz 3 GWB Bedeutung haben. Sie macht eine materiell unzulässige Direktvergabe nicht automatisch rechtmäßig. Für einen Antrag nach § 135 Absatz 1 Nummer 2 GWB gelten die Rügepräklusionsregeln des § 160 Absatz 3 Satz 1 GWB nicht.
Inhaltlich aktualisiert am 1. November 2026.
Rechtsgrundlagen: § 135 GWB; § 160 GWB.
